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Was die Farbe im Beutel erzählt.
Wer regelmäßig katheterisiert, sieht seinen Urin bei jedem Mal. Das ist ein Vorteil: Veränderungen fallen früh auf. Diese Seite zeigt, was die Farben bedeuten — und wann es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Die fünf Stufen in der App
Die App erfasst fünf Farben — die Abstufungen, die beim täglichen Katheterisieren regelmäßig vorkommen. Sie lassen sich bei jedem Eintrag mit einem Tipp auswählen.
💧 Durchsichtig
Sehr hohe Trinkmenge. Beim ISK in Ordnung, solange die Einzelmengen pro Katheterisierung nicht über 400–500 ml liegen. Bei Herz- oder Nierenerkrankung mit dem Arzt besprechen.
🍋 Hellgelb
Normal. Der Farbstoff Urochrom ist ausreichend verdünnt. Die Trinkmenge passt.
🟡 Gelb
Unauffällig, aber die Konzentration steigt. Eventuell etwas mehr trinken — die Trinkmenge-Seite erklärt, wie viel.
🟠 Dunkelgelb
Zu wenig getrunken. Konzentrierter Urin reizt die Blasenschleimhaut und begünstigt Harnwegsinfekte. Mehr trinken.
🌫️ Trüb
Häufig ein Hinweis auf einen Harnwegsinfekt, vor allem wenn Geruch, Fieber oder erhöhte Spastik dazukommen. Einzelne Trübungen können auch von Schleim oder Sediment stammen — hält es länger als einen Tag an, Urin untersuchen lassen. Anhaltend trüber Urin löst in der App einen Hinweis aus.
Farben, die zum Arzt gehören
Diese Farben kommen in der App nicht vor — weil sie nicht ins Protokoll gehören, sondern ärztlich abgeklärt werden sollten.
Rosa / Leicht rötlich
Einzelne rosa Tropfen nach dem Katheterisieren können von einer kleinen Schleimhautirritation stammen — besonders bei trockenen oder zu großen Kathetern. Wenn es sich wiederholt oder mehr wird: ärztlich abklären.
Rot / Braun
Blut im Urin (Hämaturie). Kann von einer Infektion, einem Stein oder einer Verletzung stammen. Zeitnah ärztlich abklären lassen — vor allem in Verbindung mit Schmerzen, Fieber oder bei Querschnittlähmung ab Th6 mit Zeichen einer autonomen Dysreflexie.
Orange
Kann von Medikamenten (z. B. Phenazopyridin), B-Vitaminen oder starker Konzentration kommen. Wenn kein Medikament die Ursache erklärt: ärztlich prüfen lassen.
Grünlich
Selten. Kann von bestimmten Bakterien (Pseudomonas), Medikamenten oder Lebensmittelfarbstoffen stammen. Ärztlich abklären.
Warum Urinfarbe beim ISK besonders wichtig ist
Bei neurogener Blase fehlen die üblichen Warnsignale: kein Brennen, kein bewusster Harndrang, oft auch kein Schmerzempfinden. Was bleibt, ist das, was man sieht — Farbe, Trübung, Geruch. Wer diese Zeichen bei jedem Katheterisieren kurz registriert, bemerkt einen Infekt oder eine andere Veränderung früher als mit jedem Labortest.
In der App Blase & Darm Manager lässt sich die Urinfarbe bei jedem Eintrag mit einem Tipp erfassen. Anhaltend trüber Urin löst einen Hinweis aus. Zusammen mit den HWI-Auffälligkeiten ergibt sich ein Bild, das beim nächsten Arzttermin mehr sagt als die Erinnerung.
Wann es keinen Aufschub gibt
Sofort ärztlich abklären: Anhaltend rötlicher oder brauner Urin, Fieber mit Flankenschmerzen, Urin mit starkem oder ungewöhnlichem Geruch zusammen mit Abgeschlagenheit oder Spastik. Bei Querschnittlähmung ab Th6: pochender Kopfschmerz und Schwitzen oberhalb der Lähmungshöhe — Zeichen einer autonomen Dysreflexie.
Warum mitschreiben hilft
„Seit wann ist der Urin trüb?" — die Frage kommt bei jedem Arzttermin. Mit einem kurzen Farbvermerk bei jedem Katheterisieren lässt sie sich beantworten, ohne raten zu müssen. Auf Papier geht das mit der Miktionsprotokoll-Vorlage. Bequemer ist der Blase & Darm Manager: Farbe und Auffälligkeiten als Ein-Tipp-Chips, Hinweise bei Mustern und ein PDF-Bericht für den nächsten Termin. Alles bleibt auf dem Gerät.
Über den Autor
André Bajorat ist querschnittgelähmt und katheterisiert sich seit 2025 selbst. Er hat die App Blase & Darm Manager entwickelt und schreibt auf plötzlich querschnitt über das Leben mit Querschnittlähmung. Mehr auf der Über-mich-Seite.
Medizinische Grundlage: S2k-Leitlinie Neuro-urologische Versorgung querschnittgelähmter Patienten (AWMF, 2021). Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.